Der Putzmittelwahnsinn als genialer Marketingcoup?

indugastra Blog: verschiedene Reinigungsmittel Es ist verrückt und unerklärlich, aber nach Jahren des Rückgangs von schädlichen Substanzen in den Putzmitteln, nehmen diese wieder rapide zu. Die Zahl der Putzmittel in den Regalen der Supermärkte steigt stetig an. Die Produktpalette wird ständig erweitert. Überall im Fernsehen oder Rundfunk läuft vermehrt Werbung für Reinigungsmittel, die dem Zuschauer erklärt, warum er seinen Haushalt nicht mehr ohne dieses Produkt reinigen kann.

So säubert nur Reiniger XY alles, was verkalkt ist. Ein weiterer Slogan besagt, dass nur „dieses“ zusammen mit „dem“ eine gründliche Reinigung ergibt. Ein weiterer Werbespot für Reiniger AB preist an, dass die dreckigsten Küchengeräte mit nur einem Wisch gesäubert sind.

Muss das sein? Früher ging das doch auch ohne. Laut Nachhaltigkeitsbericht der Wasch- und Reinigungsmittelbranche haben sich  zwischen 1994 und 2007 die Phosphatmengen in deutschen Abwässern sechsmal erhöht. Seit vielen Jahren sind hierzulande angebotene Waschmittel phosphatfrei, nicht aber Tabs für Geschirrspüler, deren Zahl – in privaten Haushalten – erheblich zugenommen hat.

Blog indugastra: bunte Schwämme und gelbe SprühflascheDie Verunreinigungsbekämpfung spielt in deutschen Haushalten eine große Rolle. Mit allen Mitteln (Spüli, Allzweckreiniger, Desinfektionsmittel, etc.) wird den verunreinigten Gegenständen zu Leibe gerückt. Alles, was man zur Zerstörung der schädlichen Bakterien benötigt, kann man in Supermärkten oder Drogerien kaufen. Dabei stammen bis zu 99 Prozent aller krank machenden Bakterien aus dem Haushalt. Um sie unschädlich zu machen, sollen die Infektionsherde mit Allzweckreiniger, Spülmittel und sogar Toilettenpapier gereinigt werden. Aber nicht alle Bakterien sind krankheitserregend. Bestimmte Bakterien werden von der Umwelt benötigt.

Umweltschonende Reinigung

Reinigungsmittel dienen der Säuberung von verschiedenen Gegenständen und Objekten. In Kombination mit Wasser fungieren sie als polares. In Deutschland wird die Zusammensetzung von Reinigungsmitteln durch das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz (WRMG) geregelt; insbesondere auf die biologische Abbaubarkeit der enthaltenen Tenside wird wertgelegt. Das heißt, sie dürfen nur so in den Verkauf gebracht werden, dass vermeidbare Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit und der Umwelt nicht auftreten. Mit eingeschlossen – in die Überlegungen des WRMGs – ist auch die Beschaffenheit der Gewässer, vor allem im Hinblick auf den Naturhaushalt und die Trinkwasserversorgung.

UmBlog indugastra: rosa, rote, grüne, gelbe Seifeweltschonender war bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts die Seife, das wichtigste Waschmittel dieser Zeit. Wie alle schonenden Produkte wurde dieses von den petrochemisch hergestellten Tensiden verdrängt. Diese schlecht biologisch abbaubaren Produkte führten zu ökologischen Problemen. Mit der Entdeckung der nachwachsenden Rohstoffe, wie z.B. Zuckertenside aus Zucker und Pflanzenöl, gewannen die Tenside wieder an Bedeutung. Auf Anordnung des WRMG muss  eine Verringerung des Einsatzes von Phosphat als Wasserenthärter in Reinigungsmitteln erfolgen.

Nicht immer braucht man aggressive Chemiewaschmittel!

Bei kleineren Verschmutzungen muss es nicht immer gleich das aggressive Chemiewaschmittel sein. Seife und Wasser sind ebenso effektiv! Bei  unterschiedlichen  Anwendungsbereichen werden oftmals auch unterschiedliche Reinigungsmittel genommen, bestehend aus einer Kombination von waschaktiven Substanzen und weiteren Anteilen wie Hilfs- und Duftstoffen. Dazu zählen folgende Anwendungsbereiche:

  • Körperhygiene: Seife, Shampoo, Duschgel etc.
  • Textilien: Voll- und Colorwaschmittel, Gallseife etc.
  • Geschirr: Geschirr- und Maschinengeschirrspülmittel
  • Oberflächen in Wohn- und Arbeitsräumen: Neutralreiniger, Scheuermilch, Fensterreiniger
  • Kalkentferner: Entkalker, Kalkreiniger
  • Gewerbliche und industrielle Produkte: Teilereiniger mit Entfettungsmitteln
  • Sonstiges: Rohrreiniger, Allzweckreiniger, Sanitätsreiniger, Teppichreiniger etc.

Treten härtere Verschmutzungen auf, bei denen Wasser und Seife nicht die gewünschten Erfolge zeigen, sollten die Objekte erst in Wasser einwirken. Nach der Einwirkzeit sollte man sie zusätzlich mit einem Spezialreiniger (in kleinen Men
gen) bearbeiten.

Weitere Anteile, die neben Tensiden die Wirkung von Reinigern verstärken oder die durch Düfte eine subjektive Reinheit bewirken sind:

  • Hilfsstoffe (Builder zur Wasserenthärtung)
  • Duftstoffe
  • Aufheller
  • Anteile zur Verhinderung einer erneuten Verschmutzung
  • Spezielle Polymere

An Hand dieser Aufzählungen kann man schnell erkennen, dass man nicht immer zu den härtesten Fleckenentfernern greifen muss, um sein Ziel zu erreichen. Erst einmal mit Wasser und Seife probieren, bevor man an die starken chemischen Substanzen geht.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>