Seife – aus Luxus wird Alltag

Seife und andere nüBlog indugastra: Seife in Brauntönentzliche Reiniger sind aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken. Es gibt nicht viele Produkte, die so sehr in Gebrauch und so nützlich sind. Dabei war Seife früher ein Luxusprodukt und wurde erst mit den Jahren zu einem Gebrauchsartikel. Beim Waschen, ist sie für unsere Hygiene und Gesundheit unverzichtbar. Wie Chemiker zusagen pflegen, der Seifenverbrauch sei ein verlässlicher Gradmesser für den Wohlstand und die Kultiviertheit eines Volkes.

Aber was ist die Geschichte von Seife?

Ich wasche meine Hände in Unschuld ist ein altes Sprichwort aus der Römerzeit. Im alten Mesopotamien war es eine religiöse Pflicht, sich täglich zu waschen. Um ihre Unschuld zu beteuern besaßen die Juden und Römer einen Brauch, sich vor versammeltem Gericht die Hände zu waschen.

Auf Keilschrifttafeln der Sumerer und ägyptischen Papyrusrollen wurde das älteste überlieferte Seifenrezept gefunden. Es ist um die 4500 Jahre alt. Damals wurde die Seife aus aromatischen Ölen, Kräutern und Pottasche gekocht. Man vermutet, dass die Sumerer dazu Dattelpalmen verbrannten. Die Ägypter hingegen setzen Seife als Kosmetikum in Form von Salbe ein. Die Rezeptur wurde anschließend auf den Körper gerieben und mit Schmutz und Schweiß zusammen abgekratzt. Eine sehr raue Körperreinigung, im Gegensatz zu heute. Die Germanischen und Keltischen Vorfahren bevorzugten eine noch rauere Körperreinigung. Zum Säubern des Körpers benutzten sie Sand, Tonerde, Bimsstein und Kreide. Hinzu kam ein Gemisch aus angesetztem gebranntem Kalk und gefaultem Urin oder Ziegentalg und Asche. Heute unvorstellbar!

Der lateinische Schriftsteller Plinius benutzte – in seinem Werk Historia  Naturalis  – das erste Mal das Wort sapo und war der Meinung, dass die Seife seiffa (Alt germanisch: tropfendes Harz) auf die Erfindung der Gallier zurückging.

Im Laufe des 7. und 8. Jahrhunderts stellten Blog indugastra: rote,rosa, grüne, gelbe, weiße, lila Seifedie Araber feste Seife mit Olivenöl her und brachten diese Technik nach Südeuropa. Das Seifenkochen im Mittelmeerraum reifte – während des Mittelalters – zur Kunst und es entstanden in Spanien, Italien, Frankreich, Prag, Augsburg und Wien Zentren der Seifensiederzunft. Hochgeschätzt an Europas Höfen waren die parfümierten Luxusseifen in Form kosmetischer Seifenkugeln. Für den Großteil der Menschen dieser Zeit eine unerreichbare Kostbarkeit.

Das Seifenrezept blieb lange ein gut behütetes Geheimnis. Erst im Jahre 1672 schickte ein deutscher Herr einer adligen Dame italienische Seife mit einer Gebrauchsanleitung.

Im Orient entstanden – zur Zeit des Mittelalters – prachtvolle Badehäuser. Kreuzritter berichteten davon und so wurden auch im europäischen Raum öffentliche Badehäuser errichtet. Für die normalen Bürger und die ärmliche Bevölkerung waren diese Einrichtungen aber nicht zugänglich. Der 30 jährige Krieg beendete diese Badefreuden. Waschen war, aufgrund des Irrglaubens, das Krankheiten durch Wasser und Seife in den Körper gelangen würden, tabu. Durch den Ausbruch der Pestepidemien hütete sich jeder vor Wasser und Seife. Die tägliche Körperreinigung wurde als unzüchtig, unmoralisch und gefährlich angesehen. Dazu ein Beispiel: Der Sonnenkönig Ludwig badete sich nur zwei Mal im Leben. Sein Palast besaß 1300 Zimmer, aber kein Bad. Statt sich zu waschen, parfümierte und puderte man sich ein. Nach und nach bildete sich eine Schicht, die ab und zu mit einem trockenen Lappen abgerieben wurde. Trockenwäsche war im 16. und 17. Jahrhundert chic. In Adelskreisen setzte man ganz auf diese Art der Körperreinigung. Keime, Läuse und Flöhe konnten sich ungehindert ausbreiten.

Zwei franzöBlog indugastra: grüne Flüssigseife aus Seifenspendersische Wissenschaftler mit den Namen Nikolas Leblanc und Louis Pasteur verhalfen – unabhängig voneinander – der verschmähten Seife zu einem grandiosen Comeback. Louis Pasteur fand nach langem Forschen den Zusammenhang zwischen Bakterien und Krankheiten heraus. Nikolas Leblanc (1742 – 1806) öffnete den Weg zum modernen Massenproduktion der Seife, indem er ein Verfahren zur chemischen Herstellung einer starken Lauge erfand, die bis zu diesem Zeitpunkt mühsam aus Asche gewonnen wurde.

Waschen wird modern

Das heutige Hygieneverständnis setzte sich ab Mitte 19. Jahrhundert durch. Man ging dazu über, den Körper regelmäßig zu waschen und von unangenehmen Gerüchen zu befreien. Jedoch war während des Krieges Anfang des 20. Jahrhundert die Rohstoffversorgung knapp. Zur Seifenerzeugung gab es nicht genügend Öle und Fette. Erst nach dem Ersten Weltkrieg war es wieder möglich, durch die industrielle Produktion die Seife als Massenartikel herzustellen. Aus den tropischen Ländern wurden billige Fettrohstoffe importiert. Dadurch wurde ein preisgünstigeres Herstellverfahren erfunden: Leblanc, später Solvay – Verfahren.

In der heutigen Zeit wird das Produkt Seife aus pflanzlichen oder tierischen Fetten hergestellt. Rohstoffe, wie Kokosfett, Olivenöl, Palmöl oder tierische Fette, wie Talg, Schmalz oder Knochenfett sind Hauptbestandteile der Herstellung von Seife. Bei diesem Verfahren werden die Fette zerlegt (Verseifung), indem sie mit einer Lauge gekocht werden. Diesen Vorgang nennt man Seifensieden.

Heute verpönt: Ursprüngliche Inhaltsstoffe

Seife Blog indugastra: Seife in Blautönen  aus geruchsneutralen Fetten mit pflegenden Zusätzen, sowie Parfümen und Farbstoffen, wird meistens zum Händewaschen verwendet. Das ist die sogenannte Feinseife oder auch Toilettenseife bekannt. Ein großer Nachteil dieser alkalischen Seife ist, sie entfernt nicht nur den Schmutz, sondern löst auch den hauteigenen Fettfilm auf. Das führt dazu, dass die Haut rissig und rauer wird. Durch den Anstieg des Haut-pH-Wertes zerstört die Seife so den Säureschutzmantel. Trotzdem ist Seife als Luxusgut heute nicht mehr vorstellbar. Aufgrund dieses Dilemmas überdachte Dr. Heinz Maurer die Zusammensetzung von Seifen grundlegend. Ein wichtiger Eckpunkt war unter anderem, dass auch Menschen mit empfindlicher Haut sich gedankenlos mit Seife waschen können. Hierfür entwickelte er ein seifenfreies Waschstück, abgestimmt auf den pH – Wert 5,5 der gesunden Haut. Das Waschstück, genannt Syndet, ist eine seifenfreie, waschaktive Substanz mit einer besonders hautverträglichen Wirkung. Im Gegensatz zur herkömmlichen Seife lassen sich Syndets weitgehend auf jeden gewünschten pH – Wert einstellen. Durch die besonders schonende Reinigung mit leicht sauren Syndets wird der Hautsäureschutzmantel aufrechterhalten und somit die schädlichen Umwelteinflüsse abgewehrt.

Heute hat sich Seife  – mit seiner langjährigen Geschichte – in allen Formen und Farben als fester Bestandteil in unseren Badezimmerschränken, Gastronomieküchen und vielen weiteren Bereichen unseres Lebens etabliert. Und ein Ende der Geschichte der Seife ist noch lange nicht in Sicht.

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